| "Die Methode vom Individuum ablesen" (Uli Molsen) Hinter jedem pädagogischen Handeln sollte ein gewisses Konzept stehen, aus dem hervorgeht, was man erreichen und welche Wege man dazu einschlagen möchte. Gleichzeitig ist es aber notwendig, sich ein großes Maß an Spontanität, Flexibilität und Improvisationsvermögen zu bewahren. Denn schließlich ist jeder Schüler - und um den geht es in erster Linie - ein individueller Mensch mit eigenen Zielen, Hintergründen und Eigenschaften. Dies stellt an den Unterrichtenden eine hohe Herausforderung, der man nur dann einigermaßen gerecht werden kann, wenn man sich im Laufe der Zeit ein möglichst großes und vielfältiges methodisches Repertoire aufbaut. Doch auch hier gilt - man lernt nie aus, denn schließlich kann jeder neue Unterrichtstag ganz neue Probleme aufwerfen, die nach einer Lösung verlangen. Außerdem muss Instrumentalunterricht nicht nur Fähigkeiten das Instrument betreffend vermitteln, sondern eigentlich alle Bereiche der Musik ansprechen, wenn er motivierend sein soll.
Einen kleinen Ausschnitt aus den grundsätzlichen Zielen und den verschiedenen Lernfeldern in denen der Unterricht stattfindet, möchte ich an dieser Stelle vorstellen. Ich habe mich dabei auf eine Auswahl beschränkt, aus der deutlich werden soll, wie weitgreifend Musikunterricht am Instrument bzw. an der Stimme tatsächlich sein kann. Selbstverständlich gehören neben den genannten Punkten, noch zahlreiche andere hinzu. Abschließend habe ich noch einen Kommentar zu den stilistischen Inhalten angefügt - also eine Antwort auf die Frage, welche Musik bei mir im Unterricht erarbeitet wird.
Ziele - Musik entdecken - Musik verblasst in unserer Zeit immer mehr zu einem reinen "Sich Berieseln lassen". Egal wohin man schaut, überall wird die Möglichkeit selber Musik zu machen eingespart. Am deutlichsten ist dies in unserem Schulsystem fest zu stellen. Man kann noch so fundamentale Erkenntnisse über die Bedeutung und den Nutzen von Musikunterricht gewinnen, wie dies in letzter Zeit immer mehr geschieht - die Bildungsministerien scheinen auf diesem Ohr taub zu sein. Deshalb geht es im privaten Musikunterricht zuerst um die Wiederentdeckung eines fast vergessenen Kontinents, der uns immer fremder geworden ist. Denn Musik ist mehr als nur der Weg zum Ruhm, die nützliche Beigabe auf Partys oder ein Fachgebiet für spezielle elitäre Kreise. Musik gehört für mich zum Mensch sein dazu.
- Musik erleben - Musik hat einen starken Einfluss auf unsere Gefühlswelt. Sie kann uns emotional ansprechen und uns innerlich bewegen. Andererseits können sich in ihr aber Gefühle auch ausdrücken. Musik kann lachen, weinen, erzählen und schreien. Sie bringt aber auch das nach Außen, wofür es keine Wörter gibt. Musikunterricht sollte diese Gefühlsebene der Musik ansprechen, und uns wieder ein bisschen näher zu uns selber führen. Immer wieder hört man, dass wir in einer gefühlskalten Welt leben. Ich weiß nicht, ob dem wirklich so ist. Ich weiß aber, dass Musik in der Lage ist, Emotionen zu wecken, und die Kommunikation zwischen Menschen zu fördern.
- Musik begreifen - Musik regt unser Denken an, denn so wie sie ein Ausdrucksmittel für unsere Gefühle sein kann, so stellt sie zugleich auch eine große Herausforderung an unseren Kopf. Schließlich ist Musik auch eine Handwerks- und Wissenskunst. und nur wer sich auch kopfmäßig mit Musik beschäftigt, kann zu einem mündigen Musiker werden, der versteht was er und was andere da machen. In dem Wort "Begreifen" steckt weiterhin auch das "Greifen" - also die Schulung der technischen Fähigkeiten. Hier gibt es einen direkten Zusammenhang zum Denken. Denn um ein Instrument zu spielen, oder seine Stimme richtig einsetzen zu können, gehört auch das Wissen um die Stärken und Schwächen unseres Körpers. Und diese kann man und muss man entsprechend trainieren. Zu dem einen wie dem anderen muss Musikunterricht die geeignete Hilfestellung anbieten.
- Sich bereichern lassen - Leider wird Musik immer wieder als eine Welt für "Begabte" gesehen, von deren Fähigkeiten wir abhängig sind, wenn wir Musik erleben wollen. Das ist sie nicht. Musik machen kann jeder ! Und jeder wird sie dabei als einen Gewinn für sein Leben erfahren. Sicherlich wird nicht jeder ein großer Könner, aber darum geht es auch nicht. Es geht um den Sinn für den Schüler selber. Musikunterricht hat die Persönlichkeit fördernde Eigenschaften, die einem in allen Bereichen des Lebens nützlich sein können. Dieser Verantwortung muss sich der Lehrende immer bewusst sein.
oben Lernfelder - Musiktheorie - Es ist nicht nur wichtig, Spieltechniken zu erlernen, sondern sich auch ein großes Hintergrundwissen anzueignen. Ich finde es schlimm, Dinge zu tun, ohne zu wissen, was man da tut. Hinzu kommt, dass man erst dann Musik in ihrer Qualität wirklich beurteilen kann, wenn man sie auch geistig durchdringt. Der Myhtos vom genialen Musiker, dessen Stücke alleine aus einer momentanen Inspiration heraus entstehen, ist immer noch weit verbreitet. Sicherlich ist diese "Eingebung" wichtig. Der zweite Schritt aber, nämlich die Umsetzung der Ideen kann nur gelingen, wenn man auch das Wissen darüber hat. Aber damit komme ich auch schon zum nächsten Thema.
- Improvisation - Das spontane Erfinden von Musik ist keine Zauberei, sondern hat zum einen etwas mit Mut, Einfallsreichtum, zum anderen aber auch mit ganz viel Wissen zu tun. Sicherlich gibt es auch die emotionalen Momente, in denen Musik einfach aus den Fingern fließt. Aber auch die können nur gelingen, wenn man darin geübt ist, sich also Fertigkeiten angeeignet hat, die Bauch und Kopf betreffen. Trotzdem sollte mit Improvisation nicht erst begonnen werden, wenn man ansonsten schon "alles" kann. Gerade dieses Lernfeld bietet so viel Spass und Freiheit, dass es aus dem Anfängerunterricht gar nicht weg zu denken ist.
- Komposition - Schade wenn Musikunterricht nur darin bestünde fertige Werke nach zu spielen. Musik ist ein kreatives Feld, auf dem man auch mal seine eigenen Ideen verwirklichen sollte. Schließlich käme auch in Maler nicht auf die Idee, nur berühmte Kunstwerke nach zu malen. Die eigene Schöpfungskraft ist ein Gut, die man auch in der Musik ausleben kann. Deshalb gehört das Komponieren genauso wie die Improvisation für mich zum Instrumentalunterricht von Anfang an dazu.
- Gehörbildung - Das wichtigste Körperteil des Musikers sind nicht die Finger, sondern ist das Ohr. Und deshalb ist es wichtig, dass hier auch von Anfang an eine Schulung geschieht. Denn leider schwinden heute gerade auf diesem Gebiet, die Fähigkeiten zusehends. Wichtig ist dabei, zu wissen, dass das richtige Hören Hand in Hand mit dem Wissen geht. Denn es geht nicht nur um die Wahrnehmung als solche, sondern auch um das hörende Verstehen von Musik. Im Unterricht werden die nötigen Fähigkeiten direkt und indirekt trainiert.
- Der Computer als Lehrmittel - Lange schon haben moderne "Rechenmaschinen" Einzug in die öffentlichen Schulen gehalten. Kein Wunder, schließlich sind Computer aus unserer Welt kaum mehr weg zu denken. Manche mögen das als Fluch andere wieder als Segen empfinden. Ich glaube, dass es dabei ganz alleine auf den Umgang mit diesem Arbeitsmittel an kommt. Und als solches lässt es sich herrlich auch im Instrumental- und Gesangunterricht einsetzen. Sei es als Wissensquelle (Internet, Edutainment-CD's), als Lehrunterstützung für zu Hause und im Unterricht (Gehörbildung), als Notationshilfe, als Aufnahme-Gerät (s.u), als Arrangierhilfe etc. Die Möglichkeiten sind riesig. Der Computer macht die Arbeit leichter und interessanter, besonders für Kinder und Jugendliche, zu deren Lebenswirklichkeit diese einfach gehören. Nur eines sollte der Computer nicht tun - uns das Denken abnehmen, denn dann kann aus dem Segen tatsächlich schnell ein Fluch werden.
- Recording - Dank der technischen Möglichkeiten unserer Zeit ist es heute ein Leichtes halbwegs spontan klanglich vernünftige Aufnahmen zu machen. Auch hierbei ist der Computer (s.o.) ein hilfreiches Instrument. Das Anwendungsgebiet solcher Aufnahmen ist groß. Zum einen dienen sie einfach zur Selbstkontrolle. Zum anderen greifen sie aber auch schon in den Bereich des Arrangierens und Komponierens über.
- Schülervorspiele - Es wäre doch schade, wenn das oftmals mühsam Gelernte ungehört bleibt. Deshalb veranstalte ich in einigermaßen regelmäßigen Abständen zu denen die Schüler als Musizierende und Verwandte und Freunde als Zuhörer eingeladen werden. Der Sinn dieser besonders für die Schüler (aber auch für mich !) aufregenden Nachmittage ist aber nicht allein, zu zeigen was man kann oder den Kontakt zu den anderen Schülern zu fördern (aber auch sehr wichtig). Vielmehr geht es dabei auch um Förderung der Persönlichkeit. Wer einmal vor anderen etwas präsentieren musste, weiß was ich meine. Ein selbstbewusstes aber zugleich auch bescheidenes Auftreten ist wichtig. Schließlich braucht man dieses nicht nur in der Musik.
oben Stilistische Inhalte Ich selber bin ein Musiker, der sich für fast alle Musikstilistiken erwärmen kann, auch wenn ich mich durch meine Arbeit immer stärker in der Popularmusik wiederfinde. Eine Grenze meiner Akzeptanz ist erst da erreicht, wo Musik sinnentleert ist, oder allein kommerziellen Zwecken dient. Früher hat man sich im Instrumentalspiel hauptsächlich mit "klassischer" Musik beschäftigt. Mittlerweile hat aber auch dort die Popularmusik als Bonbon für die Schüler Einzug gehalten. Für mich wurde irgendwann klar, dass ich dieser Gewichtung der Inhalte nicht länger folgen möchte. Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sich zum Instrumentalspiel oder Singen entschließen, wollen in erster Linie die Musik spielen, die sie kennen und die ihnen wichtig ist. Und meistens ist dies eben die Popularmusik in ihren vielfältigen Ausrichtungen. Da für die meisten Musikunterricht "einfach" ein Hobby ist, dem sie nach gehen und an dem sie Spaß haben möchten, sehe ich keinen Grund, warum man diesem Wünschen nicht gerecht werden sollte. Trotzdem muss ich anfügen, dass viel technisches Können und auch Begreifen ohne das Arbeiten an "klassischer" Literatur genauso unmöglich ist. Deshalb sind auch diese Werke aus dem Unterricht nicht weg zu denken. Also - alle Wege stehen offen. Klassikfreunde wie auch Begeisterte der Popularmusik werden sich mit der von ihnen geliebten Musik beschäftigen können. Denn am Ende geht es um das selbe - Musik entdecken, erleben, verstehen und sich und sein Leben von ihr bereichern lassen. oben Stilistische Inhalte Ich | |  | | |